Körperpsychotherapie auf den Punkt gebracht 2011 !
Eine gute Wahrnehmungsfähigkeit gehört in der psychodynamischen Psychotherapie zu den sogenannten Strukturqualitäten und damit zu den Voraussetzungen für eine tiefer therapeutische Arbeit. Achtsamkeitsbasierte Psychotherapie fordert aber auch auf der therapeutischen Seite eine erhöhte Wahrnehmungsfähigkeit: nicht nur in dem, was ein Klient sagt, zentrale Themen und Konflikte erkennen zu können, sondern auch non-verbalen Signale lesen und prozessbezogen aufgreifen zu können. Eine besondere Rolle spielt dabei die Intuition, die wir im ersten Teil dieser Seminarreihe unter Berücksichtigung systemischer, tiefenpsychologischer und körperbezogener Aspekte besonders fördern und festigen wollen. (Methoden: Körperlesen, imaginale Wahrnehmung, Identifikation in der Gegenübertragung, Somatische Resonanz, Landkarte der Intuition).
Als weiterer bedeutender Wirkfaktor in der Psychotherapie wurde in der wissenschaftlichen Forschung die emotionale Beteiligung des Klienten identifiziert. Es ist also von besonderer Bedeutung, ob es uns in der therapeutischen Begleitung gelingt, zentrale Themen so vertiefen und erforschen zu können, daß der Klient nicht nur über sich nachdenkt (expliziter Modus), sondern im gegenwärtigen Erleben Zugang zu seinen Gefühlen, Erinnerungen, Kernüberzeugungen, Ressourcen, Neuerfahrungen und Selbstheilungskräften findet. In zweiten Teil der Seminarreihe soll daher das Erlernen der therapeutischen Begleitung im sogenannten impliziten Modus im Mittelpunkt stehen. (Methoden: erlebnisaktivierendes Vorgehen, Prozessübersicht, Exploration am wunden Punkt, prozessuale Aktivierung, Vertiefungstechniken, Körperbezogene Techniken, Integrationstechniken).
Die therapeutische Beziehung ist für einen Therapieerfolg von besonderer Bedeutung. Sie ist der Sicherheit gebende Hintergrund für neue, korrigierende Beziehungserfahrungen. Damit die therapeutische Beziehung einen heilenden Charakter bekommt, müssen wir Begleiter keine idealen Menschen sein. Aber wir müssen in der Lage sein, zeitweise eine innere Haltung einzunehmen, die von Achtsamkeit, Gewaltlosigkeit und Mitgefühl geprägt ist. Wenn wir die Stärken, die wir in unseren Krisen und auf unserem eigenen Seelenweg entwickelt haben, einfliessen lassen können, kann uns die therapeutische Arbeit beglücken. In dritten Teil der Seminarreihe wird die therapeutische Beziehung im Mittelpunkt stehen. (Methoden: Innere Haltung aufsuchen, Ressourcen und Stärken aktivieren/verankern, eigene Ängste balancieren, Krisen in Herzensbindungen begleiten)
Martin Schulmeister
Dipl.-Psych., Psychologischer Psychotherapeut, Supervisor (BDP), Lehrtherapeut. Ausgebildet in tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie, Körperpsychotherapie und Transpersonaler Psychotherapie. 30 Jahre Berufserfahrung in Beratungsstellen, Kliniken und eigener Praxis für Einzel-, Paar- und Gruppentherapie. Gründungsmitglied, Vorstand und 20-jährige Lehrtätigkeit für das Hakomi Institute of Europe in der Ausbildung von Psychotherapeuten in Deutschland und in der Schweiz. Dozent an verschiedenen Ausbildungsinstituten für Psychotherapie.