Körperbezogene Psychotherapie auf dem Punkt (2016/2017)

 

Die psychosozialen Grundbedürfnisse haben sich als dauernd wirksame Motivationen über das ganze Leben hinweg herausgestellt. Sind mehrere Grundbedürfnisse unerfüllt, beginnen Kompensationsversuche. Gerät die Bilanz der Befriedigung der Grundbedürfnisse insgesamt zu schlecht, entwickeln wir Symptome (Psychische Krankheit als Mangelerscheinung). Eigentlich hat aber jeder von uns um mindestens eines der Grundbedürfnisse (nach Nähe/emotionaler Offenheit, Bindung, Autonomie, Selbstwert, Identität, nach Wohlbehagen/Lust, Sinn/Spiritualität) herum entbehrungsreiche oder traumatische Erfahrungen gemacht. Dies führt zu mancherlei Ängsten, zu Abwehrhaltungen, Vermeidungsstrategien und Konsequenzen in der Beziehungs- und Lebensgestaltung. Die aktuellen wissenschaftlichen Forschungsergebnisse zeigen die hohe therapeutische Wirksamkeit der erlebnisaktiven Bewusstwerdung des jeweiligen inneren Konflikts in der Verbindung mit neuen, guten Erfahrungen im Bereich der Grundbedürfnisse.

 

Im ersten Kurs dieses Weiterbildungszyklus möchte ich deshalb zum einen vermitteln, wie man den wunden Punkt und den dahinter liegenden Konflikt (“ich wünsche mir und habe Angst vor...”, “ich will und kann nicht...”) in der Therapie psychodynamisch ansteuern und wie der Raum für heilsame Erfahrungen hergestellt werden kann. Zum anderen ist es mir ein Anliegen, daß jeder der TeilnehmerInnen auch seinen eigenen inneren Bedürfniskonflikt gut balancieren und neue Perspektiven für seine Beziehungen und sein Leben entdecken kann.

 

Im zweiten Seminar möchte ich die Auswirkungen der Bedürfniskonflikte auf die Beziehungsgestaltung erläutern, und zeigen, wie man diese Beziehungsgestaltung in der therapeutischen Arbeit erfassen und bearbeiten kann. Denn wenn die Beziehungsmuster dysfunktional sind, bestätigen wir uns laufend in unseren Grundängsten. Die Herzensbindung und wie diese beeinträchtigt, verhindert oder wieder eröffnet werden kann, soll auch zum Thema dieses Seminares werden.

 

Auf unserem eigenen Weg und den unvermeidlichen Krisen haben wir Ressourcen, Potenziale, vielleicht transpersonale Räume, aber auch Begrenzungen entdeckt. Auch ohne dies explizit zu machen, geben wir damit Erfahrung, Hoffnung, manchmal vielleicht auch Resignation weiter. Die so bedeutende, innere Haltung des Therapeuten wird von mir als ein Zusammenfliessen von abgesicherten therapeutischen Wirkfaktoren (Achtsamkeit, erlebnisaktivierende Haltung, Mitgefühl, usw.) und den Stärken vermittelt, die wir auf unserem eigenen Seelenweg entwickelt haben und immer weiter entwickeln können.

 

Kaum ein Mensch fühlt sich wirklich liebenswert, weshalb im dritten Seminar neben den anderen Bedürfniskonflikten insbesondere der Selbstwertkonflikt und dessen Bearbeitung in den Vordergrund gerückt werden. Auch Techniken zur Verbesserung der Selbstwahrnehmung, Affektregulierung, Vertiefung, Mentalisierung und Ichstärkung werden wesentlich sein.
Von den Charakterstilen bzw. Biostrategien werden uns in diesem Zyklus vor allem die Strategien beschäftigen, die mit dem Selbstwertgefühl zu tun haben: die narzisstische Strategie, mit der man ein anderer sein will als man ist, und die rigiden Strategien (phallisch/hysterisch oder unermüdlich/übergründlich bzw. expressiv/anklammernd), in denen man versucht, mehr zu sein als man ist, um doch noch geliebt zu werden.

 

Auf dem Hintergrund meiner über 20-jährigen Lehrtätigkeit für das Hakomi Institute of Europe (1985-2005), Dozententätigkeit für verschiedene Ausbildungsinstitute (Wendepunkt im Allgäu, Wieslocher Institut für systemische Lösungen, Süddeutsche Akademie für Psychotherapie, usw.), meiner Supervisionstätigkeit im klinischen Bereich und der Integration von besonders wirksamen, erlebnisaktivierenden Interventionen sind diese drei Kurse eine Gelegenheit, körperbezogene Psychotherapie auf einem hohen Niveau kennenzulernen, zu vertiefen und zu üben.

 

Termine

Martin Schulmeister | Heidelberg | Tel. 06221-400505 | martin.schulmeister@t-online.de